In der wir „betreutes Kellnern“ gelernt haben und fast zu einer Sandbank ohne Sand gefahren wären.
05.02-12.02.2024
Früh am morgen geht‘s los zum Flughafen von Dubai, um nach Male auf die Malediven zu fliegen. Noch ein Stück weiter weg von zu Hause. So sehr ich das Reisen liebe, so stark ist auch das Band, dass mich mit Münster verbindet. Ich bin froh, dass der Flug nur kurz ist (4 Stunden), denn Quinn ist immer noch nicht richtig fit. In Male angekommen fühlt es sich so ganz anders an, als an jedem anderen Flughafen, den ich so kenne. Hier warten vor dem Ausgang nicht nur Taxen, sondern Boote und Wasserflugzeuge. Nach einer kurzen Sicherheitsanweisung geht‘s also mit unserem Speedboot-Taxi 45 Minuten bis zu unserem Atoll, zum Kandooma Holiday inn Resort. Quinn ist wieder wenig beeindruckt und schläft – wie auf bisher jeder Bootsfahrt- nach 10 Minuten auf Erk‘s Schoß ein. Charlotte hält noch etwas länger aus, aber auch auf sie haben die auf und ab Bewegungen von Booten eine beruhigende Wirkung. So ist auch sie nach einiger Zeit ins Schlummerland abgedriftet und ich lasse mir entspannt die Seeluft um die Nase wehen. Das tut so gut. Ich kann nicht genau beschreiben, was das Meer für eine Wirkung auf mich hat, aber ich fühl mich sofort zu Hause, wenn ich am Wasser bin. Die Vorstellung, dass wir die nächsten 7 Tage auf einer kleinen Insel verbringen werden, macht mich unglaublich glücklich. So cool es in Dubai war, so sehr freue ich mich auf Ruhe und das Gefühl von Freiheit. Und nichts beschreibt es für mich mehr, als barfuß durch den Sand zu laufen, aufs Meer zu blicken und nichts anderes als die Wellen zu hören.
Ich lasse meine Gedanken schweifen über Ankommen, Loslassen, über Energie in Form von Wellen und schwups sind wir schon angekommen. Die Rezeption ist in einem offenen Gebäude, so dass eine warme Brise über unsere Haut streicht, während wir die Unterlagen zu unserem Beach room bekommen.
Wir haben aus purem Glück das absolut beste Apartment auf der Insel bekommen. Auch wenn es weitaus größere und exklusivere gibt, hat unseres den besten Blick und den schönsten Platz auf der Insel. Unser 1-Zimmer Häuschen ist zwar klein, aber so gemütlich. Es gibt eine offene Dusche, mit Blick auf eine Palme und einen herrlichen Blick auf die Wellen. Direkt unter dem Apartment gibt es noch zwei Liegen und ein Waschbecken für die Strandsachen. Charlotte und ich hüpfen noch kurz ins Meer, bevor es dunkel wird. Durch die Zeitumstellung ist es schon Zeit zum Abendessen. Wir suchen uns einen Platz im Sand mit einer Bank, auf der sich Quinn hinlegen kann. Die arme Maus ist immer noch total schlapp und hat Bauchweh. Auch nach mehrfachen Versuchen auf uns aufmerksam zu machen, schafft es kein Kellner bis zu uns. Erk bestellt unsere Getränke also direkt an der „Theke“. Das Buffet ist zwar umfangreich, aber hat trotzdem wenig Auswahl. Interessante Kombination, oder? 🙂 Für mich als Vegetarier sind die Optionen meistens eh nicht so groß, daran bin ich gewöhnt, aber auch sonst gibt es für mein Gefühl nur extrem viele Desserts und eine große Brotauswahl. Ich bin aber total happy mit Naan Brot, Hummus, Pommes und gebratenen asiatischen Nudeln. Fusion kitchen at it’s best. Der Wein will sich auch noch nicht bis zu uns verirren, obwohl wir schon den zweiten Gang zum Buffet hinter uns haben. Also marschiert Erk nochmal los und holt den Wein einfach ab. Er meint „ich glaube, ich muss die nächsten Tage hier ‚betreutes Kellnern’ machen und das macht er dann auch. Spoiler vorweg: Aus dem betreuten Kellern- was soviel bedeutet hat, dass Erk mit den Kellnern zusammen jeden Schritt der Bestellung durchgeht und im Zweifel die Getränke selbst bis zum Tisch bringt, wurde dann auch noch betreutes Kochen, hier hat er dem Pasta-Chef erfolgreich Anweisungen für Aglio olio und Arrabiata Spaghetti gegeben, und betreutes Abräumen. Alles mit soviel Humor und Freundlichkeit, dass die Jungs sich nicht angegriffen gefühlt haben, sondern Spaß hatten, dass Erk soviel Einsatz gezeigt hat. Das Ergebnis war, dass wir zum Ende der 7 Tage teilweise 4 Kellner hatte, die uns kannten und sich fast gestritten haben, wer uns bedienen darf. 🙂 Wir mussten nur an Kaffee denken, da kam einer von den Jungs mit zwei Cappuccino im die Ecke mit Hafermilch, die sie extra aus dem externen Lager geholt haben. Aus betreutem Kellnern wurde ein mega Service. Unser Lieblingskellner hatte z.B. mitbekommen, dass es Quinn am dritten Tag noch immer nicht viel besser ging. Also hatte er uns direkt den Arzt besorgt, der zu uns an den Frühstückstisch gekommen ist, und uns beruhigen konnte, dass es einfach etwas Zeit braucht.
Alle aus dem Servicepersonal haben sich extrem gern und lang an unserem Tisch aufgehalten. Dadurch haben wir so viel über die Kultur und die verschiedenen Biographien gehört. Es war sehr erschreckend zu sehen, wie wenig Menschlichkeit die meisten anderen Gäste dem Servicepersonal entgegenbringen. Dadurch, dass alles am Buffet geholt werden konnte, und nur die Getränke aufgenommen werden mussten, gab es wahrscheinlich noch weniger Interaktion als generell schon. Die wenigsten konnten einen freundlichen Blick, geschweige denn ein ‚Thank you‘ aufbringen. Das war so traurig zu sehen. Generell saßen sich sehr viele Paare und Familien auf ihre Handys starren schweigend gegenüber. Das war aber nicht nur beim Essen so. Auch auf den Liegen am Meer, an der Bar…eigentlich überall.
Das heißt also: Du kannst an den schönsten Orten dieser Welt sein, aber wenn du den Moment nicht genießen kannst, die Menschen, die mit dir dort sind, nicht wahrnehmen willst, und dich die Besonderheit gar nicht interessierst, dann bist du wirklich nur fürs Foto dort. Im Umkehrschluss heißt es aber auch, dass du überall glücklich im Moment sein kannst, wenn du von den Menschen umgeben bist, die du liebst. Wo du dann bist, ist zweitrangig. Wenn du selbst nicht glücklich bist, hilft auch Sonne, weiße Strände und kristallklares Wasser nicht weiter. Gleichzeitig kannst du unglaublich happy im Regen auf einem unspektakulären Campingplatz sein.
Versteht mich nicht falsch, ich bin auch gern bei Insta unterwegs, mache Fotos und habe das unglaubliche Glück, an sehr viele wundervolle Orte auf dieser Welt zu reisen, aber das was man dort auf den Malediven zu sehen bekommt, war schon sehr erschreckend. Diese Gleichgültigkeit von allem: Den Mitmenschen, sich selbst und der Natur gegenüber.
Damit es hier nicht ganz so deep weitergeht, beschreibe ich jetzt lieber mal unseren Schnorchel-Ausflug. 🙂 Überpünktlich (ja, solche sind wir jetzt, wir mussten noch nicht einmal zu einem Termin rennen :-)) )warten wir am Wassersportzentrum darauf das es losgeht. Wir haben uns brav angemeldet und beobachten den zahmen kleinen Papagei, der auf der Schulter vom Mädel, die die bookings macht, sitzt. Ein Typ gibt uns die Schnorchelausrüstung. Da wir jetzt schon zwanzig Minuten warten und sich hier gar nichts tut, fragen wir mal nach. Da teilt er uns mit, dass wir noch länger warten müssen, da das Boot kaputt ist. Sollte aber gleich losgehen. Eine Stunde später kommt dann endlich das Ersatzboot und es kann scheinbar losgehen. Als wir dann mit den weiteren Gästen an Board sind, alles etwas unorganisiert wirkt und wir schon langsam aus der bucht tuckern, fragen wir mal nach, wo denn hier die Schwimmwesten für die Kids sind. Fragende Gesichter: “die hätten wir uns doch selbst holen sollen.“ Auch die andere Familie rollt mit den Augen, da ihnen auch nichts gesagt worden ist und niemand an Board eine Schwimmweste hat. Auf offenem Meer fühlen sich die wenigsten ohne Weste wohl. Normalerweise gibt es aber allein aus Sicherheitsgründen zumindest für die Kids immer Schwimmwesten, bevor sie überhaupt ins Boot einsteigen. Also drehen wir um und es dauert nochmal etwas länger. Wir hatten vorher ja auch ne eine Stunden Zeit… 🙂 Dann kann der Captain aber Gas geben und es geht Richtung Shark-Point. Normalerweise würde schon der Name bei mir Schnappatmung auslösen, aber wenn man das hier für herkömmliche Touristen anbietet, dort mit den Haien zu schnorcheln, kann das ja nicht so schlimm sein. Am Ziel angekommen, haben bereits andere Boote dort Anker geworfen und locken die Haie oder andere Fische mit Futter an. Fühlt sich wirklich komisch an, normalerweise ist das ja der worst case. Es gibt Haie und es ist Blut und Fischköder im Wasser….aaaaaahhhh. Ich spiele mein Mantra vor meinem mentalen Auge ab: das sind keine gefährliche Haie, alles gut. Alles gut. Alle auf dem Boot wirken etwas gehemmt, also finde ich mich mit Quinn an der Treppe und wir steigen als eine der ersten vom Boot und direkt mitten in einen Schwarm von bunten Fischen, Rochen und tief unten auch Haien. Da die Ammenhaie für mich nicht wirklich viel Ähnlichkeit mit den Sorten haben, vor denen ich so Respekt bzw. panische Angst habe, bleibe ich ganz entspannt. Wir lassen uns etwas treiben und genießen es als Beobachter in die fremde Welt einzutauchen. Quinn’s Brille sitzt nicht so richtig, also tausche ich mit Erk und übernehme Charlotte, während er mit Quinn zurück zum Boot geht. Charlotte und ich schnorcheln am Riff entlang und können so viele verschiedene Fische, Rochen und Haie sehen, nach einer Zeit nähern wir uns dem Boot und ich denke noch: „wer geht denn da so nah an den Rochen, will der sich da drauf setzen? Da sehe ich, dass es Erk und Quinn sind, die gerade ins Wasser gestiegen sind, und mitten auf zwei Rochen gestoßen sind, die spielen oder sich jagen. Es sah dramatischer aus, als es war, und beide waren nicht wirklich in Gefahr, aber haben dadurch einen ganz nahen Eindruck von den majestätischen Wesen bekommen. Wahnsinn!
Nachdem die Zeit abgelaufen ist, begeben wir uns alle aufs wieder aufs Boot. Erk hilft noch mit, eine Dame aufs Boot zu ziehen, die aus eigener Kraft nicht hochkommt und ihr Ehemann, der eine sehr lustige, neonfarbene Badekappe auf seinem Hinterkopf trägt (vielleicht aus religiösen Gründen? Viel Haare kann man nicht erkennen) lieber belustigt Videos davon macht, wie sie verzweifelt versucht aus dem Wasser zu kommen. Auch unser Skipper schaut nur teilnahmslos zu. Was geht ab? Zumindest bedankt er sich nachher bei Erk „Thanks my friend“.
Unser Betreuer, der auch schon so smart mit den Schwimmwesten unterwegs war, schlägt als nächstes Ziele vor zur Sandbank zu fahren. Man könnte aber auch zum Coral Garden fahren. Wir fragen, ob es an der Sandbank auch Fische gibt oder sonst was interessantes? Er antwortet eher trocken:„No, just sand.“
Wirklich nur Sand? Keine Fische? Als wir eh schon kaum ein Argument finden können, warum wir auf die Sandbank fahren sollten, ergänzt er noch:
„The tide is high, so there’s just a little sand.“
Das wird ja immer besser. Also ist nicht mal mehr eine Insel zu erkennen?
Etwas Sand und keine Fische. Das klingt nicht gerade verlockend. Gerade als wir spaßeshalber überlegen wollen, ob es nicht vielleicht doch ne super Idee ist, sagt er:
„Actually, there is no sand“
Wir müssen auf dem Boot fast alle losprusten vor Lachen.
Erk fasst aber mal ganz ernst zusammen: „So there are no fish and there’s no sand either. So actually just water. Would you really suggest we should take a trip there?“
Zum Glück hat sich unser Ausflugsleiter mit den Argumenten selbst überzeugt und auch er findet es mittlerweile einen no brainer, dass wir stattdessen den Coral-Garden besuchen.
Die Stimmung ist sehr entspannt und alle nehmen es mit Humor. Erk meint, dass er jetzt also als weitere Qualifikation neben betreutem Kellnern und betreutem Kochen auch noch betreutes Schnorcheln in sein Portfolio aufnehmen kann. Hätte er nicht so beharrlich gefragt, würden wir wahrscheinlich immer noch die Sandbank suchen 🙂
Am Coral Garden angekommen gibt uns der Leiter letzte Anweisungen wie man sich richtig verhält. Nicht über das Riff, nur am Rand bleiben, weil es in der Mitte sehr flach ist. Und Bitte auf keinen Fall drauf stellen. Man sollt denken, dass man sich die zwei Sachen einfach merken kann. Wir machen uns alle bereit und gleiten nach und nach ins Wasser. Ich bin mit Charlotte unterwegs und Erk mit Quinn, der hat schon nach 5 Minuten keine Lust mehr: „hier gibt es ja nur Fische“.
Das ist der Nachteil, wenn man das erste Mal in seinem Leben direkt mit Haien und Rochen schnorcheln geht. Alles was danach kommt ist einfach weniger spektakulär. Ich muss Quinn aber Recht geben. Das Korallenriff ist wirklich trostlos. Kaum Fische und alles abgestorben. Als ich mich noch Frage, ob hauptsächlich der Klimawandel schuld ist sehe, ich schon die ersten Vollidioten auf dem Riff stehen. Unser Ausflugsleiter versucht noch durch rufen und Pfiffe auf sich aufmerksam zu machen, gibt aber dann direkt auf. Das sieht auch so aus, als ob er das nicht zum ersten Mal versucht, aber wahrscheinlich resigniert hat, dass man daran noch etwas ändern kann. Manche Menschen sind einfach so stumpf. Ich frage mich echt, ob es Gleichgültigkeit oder Dummheit ist. Das macht mich aber wütend. Auf der Rückfahrt wird generell wenig gesprochen und somit habe ich Zeit bis zur Ankunft am Hafen alles für mich einzuordnen. Über die toten Riffe bin ich aber immer noch etwas traurig.



















Alle Tage sind ziemlich ähnlich und wir genießen die entspannte Zeit im weißen Sand, der übrigens anders als die Strände bei uns in Europa nicht aus Muscheln, sondern aus Korallen besteht. Dadurch wird der Sand nicht so heiß und ist ganz fein und besonders hell, was wiederum das Wasser auch so türkis macht. Direkt vor unserem Hotel am Strand kann man somit fast ohne Taucherbrille die Unterwasserwelt bewundern. Irgendwann fällt Charlotte eine lange, dunkle Wurst am Meeresboden auf. Mein geschultes Auge erkennt sofort, dass es eine Seegurke ist. Kleiner Einschub: Nachdem auf Tahiti, Nicole und mir schon mal so ein Teil von einem attraktiven Skipper gezeigt worden ist, war das daraus entstandene Foto ein Klassiker, der damaligen Weltreise. Ich reiche das nach 🙂 Zumindest kann ich mit meinem Halbwissen punkten, weil ich die Gurke sofort erkenne und sage, dass ich glaube, dass man sich nicht daraufstellen soll, weil die sonst platzen kann. Charlotte ist beeindruckt und will sie direkt auch Papa zeigen. Erk beweist, dass meine Theorie mit dem Platzen wohl nicht stimmt. Als er Charlotte fragt „Wo ist denn die Seegurke hin?“ antwortet sie ganz trocken „Papa, du stehst drauf“. Die Gurke und Erk haben es beide überlebt. 🙂
Auf den Malediven gibt es 1200 Inseln, wovon nur 200 bewohnt sind und insgesamt 300 vom Tourismus genutzt werden. Leider sieht man ganz deutlich, was der Klimawandel und wir als achtlose Menschen mit der Natur machen. Abgestorbene Riffe, weggeschwemmte Küsten. Ab 2050 werden nach Berechnungen nur noch 80% bewohnbar sein. Das ist wirklich krass, wenn man sich überlegt, dass dann so ein Paradies zerstört ist. Langfristig werden sie dann ganz verschwunden sein. Also jeder, der sie noch besuchen möchte hat also nicht mehr ganz so viel Zeit.
Ich war vor über zwanzig Jahre schon mal auf den Malediven, natürlich auf einem anderen Atoll, aber ich habe schon das Gefühl, dass es damals alles noch viel gesünder war.
Mein abschließendes Urteil ist, dass wenn man auf die Malediven möchte, auf jeden Fall ein sehr gutes Hotel aussuchen sollte. Anders als in jedem anderen Urlaub hat man nämlich keine Chance in ein anderes Restaurant oder zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Man ist auf der Insel dann schon sehr isoliert. Im Verhältnis muss man also sehr viel zahlen. Dadurch, dass ich das Glück hatte schon viel zu reisen kann ich sagen, dass man ähnlich schöne Strände und blaues Wasser findet, und man gleichzeitig dann noch die Freiheit hat, verschiedene Orte zu entdecken.
Es war wirklich eine wundervolle Erfahrung und ein super Start auf dieser großen Reise. Top erholt und leicht vorgebräunt, mit zwei schlafenden Kids auf den Reisetaschen gehts zum Flughafen. Singapore wir kommen!







