Nach einem ausgiebigem Frühstück machen wir einem weiteren Abstecher in den Wasserpark. Auch beim zweiten Mal in der Reifenrutsche schreie ich in den Kurven im dunkelen Part der Röhre nicht weniger. Charlotte hingegen ist so ruhig, dass ich kurzfristig Bedenken hatte, sie sei vielleicht ohnmächtig geworden… stattdessen ist sie einfach nur sau cool und weitaus abgeklärter als ich. Quinn verputzt zum Mittagessen noch ne dicke Pizza und ich besorge für Charlotte ein Curry als Take away, auf das sie so großen Hunger hatte, und für Erk und mich eine Falaffel. Unser Fahrer, der uns für die Wüstentour abholt, wartet schon vorm Hotel und schaut etwas skeptisch auf unser Essen. Er meinte wir sollten vor der Autofahrt lieber nichts essen. Erk scherzt noch ob es an seinen Fahrkünsten liegen könnte. Da lächelt er nur müde und meint, er sei ein sehr guter Fahrer. Ich frage mich nur kurz, warum das wohl ein Thema sein könnte, aber bin viel zu beschäftig damit, dass wir alle mit unseren Taschen auf die 3er Bank des Jeeps passen. Denn Quinn will lieber bei Erk auf dem Schoß bleiben. Wir holen noch zwei weitere Gäste ab, ein Pärchen aus Belgien. Er setzt sich ganz nach hinten und seine Partnerin nimmt vorne neben dem Fahrer platz. So richtig verstehe ich den Plan nicht, den wir vor uns haben. Der Fahrer erklärt den Ablauf extrem schnell, mit starke Akzent und lauter arabischer Musik im Hintergrund. Ich bin schon bei der Erklärung beim ersten Stop der Route gedanklich ausgestiegen. Entweder kann man da Fahrräder oder Motorräder leihen. Aber auf jeden Fall gibt es Datteln. Das habe ich verstanden. Aber alles andere ist ja auch egal, jetzt sitzen wir eh schon im Auto. Quinn ist etwas blaß und meint, ihm tut der Bauch weh. Das ist ja eine hervorragende Ausgangssituation für den Trip. Obwohl der erste Stop ein allgemeiner und gut besuchter Haltestop auf dem Weg in die Wüste ist, sieht das ganze schon sehr viel anders aus, als auf einem Rastplatz bei uns 🙂 Man kann Quads ausleihen (also weder Fahrrad noch Motorrad- bikes sind dann hier Quads good to know) und es gibt ein paar Plastiktische und eine Hand voll Hütten, die mit Teppichen ausgelegt sind. Je nach Reisegruppe gibt es da Datteln – ah, zumindest das hab ich verstanden – und Wasser in einer großen Kühlbox. Einen Souvenirshop und ein paar Jungs, die mit Tüchern oder Falken (!!) auf dem Arm rumlaufen. Ich denke, da könnte man locker noch mehr verkaufen. Die ersten Fotos diverser Influencer werden geschossen, die sich vorher vorm Spiegel in den Waschsräumen noch schnell das Make up richten. Last thing woran ich gerade denke. Aber ich hab generell meine Schminke auch zu Haus gelassen. Wenn man dann manchmal direkt neben den perfekt gestylten Girls steht, frage ich mich dann schon, ob ich vielleicht zumindest mal bisschen Puder oder Wimperntusche auflegen sollte, dann wiederum bin ich froh, dass all das auf der Reise so gar keine Bedeutung für mich hat. Erk schaut etwas besorgt, als er mit Quinn von der Toilette zurückkommt. Vielleicht war ja auch nur die Pizza, die schnell verdaut werden wollte, der Grund für den flotten Stuhlgang. Das war da zumindest noch die Hoffnung. Quinn klagt immer noch über Bauchweh, aber Zeit für die Pause ist abgelaufen und so machen wir uns wieder auf dem Weg zum Parkplatz. Gerade als wir ins Auto einsteigen wollen sagt Quinn „ ich muss kotzen“. Und das macht er leider auch. Aber zum Glück vors Auto und weder er noch wer anderes hat was abgekommen. So, jetzt ist zumindest die Pizza raus, die ihm vielleicht zu schwer im Magen lag. Wir fahren weiter auf der Hauptstraße bis wir auf einen Sandweg abbiegen. Unser Fahrer steigt dann aus und lässt etwas Luft aus den Reifen des Jeeps. Ein paar andere Fahrer tun es ihm gleich. Als er wieder im Wagen sitzt tritt er aufs Gaspedeal und jagt mit einem Affenzahn über die erste Düne. Ich frag mich noch, ob man soviel Schwung braucht um durch den Sand eine Steigung hochzufahren, aber als er dann auch bei den weiteren Sandbergen fährt, als würden uns die anderen 4 Autos verfolgen, wird mir klar, dass das wahrscheinlich ein Teil des Abenteuer-Trip sein soll. Also fahren wir mit Vollspeed und – wenn es gehen würde mit quietschenden Reifen- hier dann eher mit fliegendem Sand- von Sandberg zu Sandberg. ich rufe noch zu Charlotte „ das dürfen wir nicht Oma erzählen“. Mein besorgter Blick zu Quinn rüber, als ich bei der neuen Kurve fast bei Charlotte auf dem Schoß sitze und mein Gesicht der Fensterscheibe klebt. Aber der schaut völlig unbeeindruckt vom Fahrstil stoisch nach vorn. Frei nach dem Motto: „um mich mit einem rasanten Fahrstil zu beeindrucken, muss Opa schon seinen Bentley aufheulen lassen.“ Zum Glück bleibt auch sein Magen genau so entspannt und wir schaffen es ohne Zwischenfall wieder Richtung Straße. Wer hat denn an so einem Quatsch Spaß? Auch das belgische Pärchen wirkt unbeeindruckt von dem Theater. Es gibt anscheinend aber auch Touren, die nur sowas anbieten. Bei uns war es Part of the Package. Bevor wir, also unser Fahrer, aber die Reifen wieder aufpumpen kann, halten wir noch mit gefühlt drölfzigtausend anderen Autos an einer Düne fürs Sandboarden. Ohne große Einweisung finde ich mich selbst auf einem Sandboard wieder. Der Fahrer reicht mir seine Hand und sagt nur „if you fall, don’t fall. Just sit down“ What? Wie soll man das denn machen? Aber noch bevor ich den Gedanken zu Ende denken kann, fahre ich schon den Hügel runter. Ist echt ein bisschen wie snowboarden. Nur viel stoppiger. Ich schaffe den ersten Ride ohne zu crashen und bin schon bisschen stolz, als ich sehe, das links und rechts alle möglichen Leute keine drei Meter weit kommen. Charlotte reitet den Hügel gekonnt im Sitzen ab und auch Quinn wird für ein paar Minuten lebendig und versucht sein Glück. Erk schafft es auch ohne zu stürzten. Bei meinem zweiten Versuch klappt auch fast alles easy…bis auf die letzten Meter, bei denen ich etwas zu selbstbewusst werde und dann versuche abzuspringen und mich dann im vollen Lauf mit meinem Fuß in meiner Hose verfangen. Ich fliege so krass, als hätte mir jemand ein Bein gestellt, mit voller Wucht auf den Sand. Beim Fallen denke ich noch so, ach, in den Sand fallen geht ja noch. Aber ne, Scheiße. An der Stelle ist die Wüste sau platt und hart wie Stein. Jesus-fucking-Christ. Ich sehe ein paar Sterne und es sieht von weitem so aus, als wollte ich Alah mit extremer Hingabe grüßen wollen. Man sieht auf dem Video, was Erk gemacht hat, sehr schön, wie mein Aufprall Sand aufwirbelt und wie ich mit voller Wucht den Boden küsse. War mir aber natürlich sau peinlich und ok, bisschen witzig fand ich es auch. Also lächeln, Hose abputzen und locker los laufen, als wär nichts gewesen. In dieser doofen Hose hab ich mich echt schon ein paar mal verfangen. Bis zu dem Zeitpunkt ist es immer gut gegangen. Ich glaube, ich schmeiße sie jetzt weg. Das ist vielleicht ein Warnschuss gewesen. Beim nächsten Mal stürzte ich sonst ins Hafenbecken oder falle auf eine giftige Schlange oder so. 🙂
Den Programmpunkt haben wir nun also auch abgeschlossen und jetzt soll es Richtung Camp gehen. Da starten wir dann mit Kamelreiten. Charlotte ist absolut begeistert. Ihr persönliches Highlight vom geplanten Trip. Mir vergeht allerdings bisschen die Lust, als wir uns den Kamelen nähern. Ein strenger Geruch von Pisse, den ich nur zu gut aus irgendwelchen Pferdeställen kenne, die es mit der Hygiene nicht so genau nehmen. Ich kann das so großspurig sagen, denn ich hab immer das Kompliment bekommen, dass es bei uns im Stall gar nicht nach Pferd gerochen hat. Vor Charlotte versuche ich meine Abneigung nicht zu zeigen und ich würde ihr eh jeden Gefallen der Welt tun und mich auch auf jedes dreckige Kamel setzen, aber wenns nicht unbedingt sein muss, lass ich diese Aktion gern sausen. Da Quinn schlapp und blass in den Seilen hängt und jemand bei ihm bleiben muss, und Erk Lust hat mit Charlotte den Ausritt zu machen, komme ich also drum rum. Ich sage ihr, ich habe schon auf so vielen verschiedenen Tieren gesessen, inklusive Kamelen. Ich schau mir das Treiben an und frage mich, ob das laute Stöhnen der Tiere beim Aufstehen und Hinknien was zu bedeuten hat, dass die entweder keine Lust haben oder es sau anstrengend finden…? Kann mir aber vor Ort keiner Beantworten, und so wichtig ist es dann doch nicht. Aber wie Tommi und Felix von Gemischtes Hack immer sagen „gern mal Bezug nehmen, wenn das jemand weiß.“ Charlotte ist also mega happy und nachdem sie auch noch die Baby-Kamele (finde die Bezeichnung etwas übertrieben, die sind ja schon zwei Jahre alt und sehr groß) findet sie den Fakt auch nicht mehr so schlimm, dass der Ausritt nur sehr kurz war. Also wirklich kurz. Einmal um die Düne und zurück. Ich würde sagen, da hat sich das Aufstehen und Hinknien der Kamele nicht gelohnt. Aber die Dunkelheit bricht ein und das Event geht gleich los. Und da gibts ja auch noch die Möglichkeit ein Foto mit einem Falken zu machen und Henna-Tatoos. Mittlerweile verstehe ich etwas mehr und hab mich an die Aussprachen von unserem Fahrer/Guide gewöhnt. Also flitze ich mit Charlotte noch schnell durchs Camp zum Falken und danach bekommt sie ihr Snake-Tatoo. Die Dame war sehr überrascht, dass man als kleines Mädchen keine Blume, sondern lieber ne Schlange haben möchte. I like it. Meine Dame kann aber nur Blumen, also kriege ich so 0815 Henna gemalt. Bereue es eigentlich auch schon 5 Minuten später, als mir klar wird, dass ich jetzt 30 Minuten meine Hand nicht mehr bewegen soll, damit die stinkende Paste nicht abgeht. Und die Blumen sind nicht mal originell. Die nächsten Tage denke ich immer, dass ich Dreck an den Händen habe. Aber egal, ist schließlich ein Erlebnis und etwas, das ich mit Charlotte gemeinsam gemacht hab.
Darum gehts. Um ‚firsts‘. Dinge, die man das erste Mal macht. Oder das erste Mal mit einem besonderen Menschen erlebt. Life is short. Es sollte viele firsts jeglicher Art gebe. Egal, wie alt man ist.
Quinn und Erk haben es sich in „unserer“ Hütte der Reisegruppe bequem gemacht. Es gibt Kissen und Decken und alles ist mit Teppich ausgelegt. Draußen vor dem Zelt ist ein Tisch und Sitzkissen. Das ganze Camp ist in einer Kreisform angelegt. In der Mitte ist eine kleine Bühne mit mini Wassergraben. Ah, bestimmt für die Feuershow. Charlotte setzt sich zu den beiden und dabei entsteht das Foto, dass so aussieht als wären wir als Geiseln des IS irgendwie verschleppt worden. Dann beginnt auch schon die Show. Als erstes tanzt ein Derwisch. Sozusagen ein menschlicher Kreisel mit buntem, und zum Teil leuchtendem Rock. Mir wird schon ganz schwindelig vom hingucken. Mit zunehmend intensiver Musik dreht der gute Mann sich immer und immer schneller. Echt krass. Danach kommt eine Tänzerin, die relativ unspektakulär ihre schönen Haare beim Tanzen durch die Luft wirbelt. Aber zugegebenermaßen ist jede andere Tanzform, die viele Drehungen beinhaltet, nach diesem Wirbel-Spektakel vorher, eher langweilig. Aber schöne Haare hat sie wirklich. Die würde ich auch so in Szene setzen. Frage mich noch, ob das etwas gesellschaftskritisch ist oder ein besonderes Ritual? Um uns herum sitzen ja sehr viele Frauen mit Kopftuch. Wahrscheinlich ähnlich aufreizend, als wenn man bei uns in Europa ein Oben-Ohne Tanz machen würde? Und dann kommt das Highligt: die Feuerschow. Ich bin eigentlich die meiste Zeit damit beschäftigt mich zu fragen, ob das nicht tierisch ungesund ist so viel Spiritus zu trinken und auszuspeien. Da bleibt doch bestimmt immer was im Mund hängen? Dann frage ich mich, ist ihm das schon mal passiert, dass er es aus Versehen runtergeschluckt hat? Was macht das mit den Zähnen…? und zack, ist die Vorstellung auch schon vorbei. Also, in Costa Rica am Strand haben die schon ne geilerer Show gemacht muss ich sagen. Egal, jetzt gibts endlich Buffet. Und das ist krass gut. Es gibt verschiedene Stationen mit unterschiedlichen kulinarischen Schwerpunken. Wenn’s Naan und Hummus, gibt bin ich ja eh schon happy. Aber es gab so unglaublich viele leckere Sachen zum probieren, dass ich drei mal meinen Teller voll gemacht hab. Seit ich mich der Middle Eastern Küche geöffnet hab, bin ich echt ein Fan. Auch Charlotte probiert sogar richtig viele Sachen. Quinn hat sich in der Zeit mit Erk’s Betreung zweimal hinterm Zelt übergeben und hängt leider dementsprechend immer noch ziemlich schlapp rum. Aber er ist echt ein Trooper, dass er ohne zu weinen oder sich zu beschweren das alles so mitmacht. Ihm gehts wirklich nicht gut, aber er hält sich so tapfer. Irgendwann gibt es dann noch eine kleine Meditation bevor der Abend zu Ende ist.
Ich hatte ja die romantische Vorstellung, dass wir dann noch zu einem anderen Ort des Camps gebracht werden, wo es schön aufgebaute Zelte mit vielen weißen Kissen und Lichterketten gibt. Nope, stattdessen werden die Zelt vom Abendevent für die Nacht hergerichtet. D.H, es werden Matratzen auf die Teppiche gelegt, ein Moskitonetz aufgespannt und Plastik-Bettdecken ohne Überbezug bereit gelegt. Während die Mitarbeiter alles fertigmachen, können wir durch ein Teleskop Sterne gucken. Leider ist es extrem bewölkt und ich weiß nicht, ob ich das was falsch verstanden hab, aber ich seh durch dieses Megateil den Stern genau so scharf wie mit meinem bloßen Auge 🙂 Dazu gibt es dann nochmal was zu Essen? What? Ich bin noch so unglaublich satt. Einen Fruchtteller mit Bananen und Trauben mit Frischhaltefolie überzogen (merkt euch diesen Teller, der hat später noch seinen Auftritt) und irgendwas, was überm Feuer gegrillt wird. Brot und süße, frittierte Bällchen. Hab aber nichts mehr probiert. Genauso wenig wie die Shisha mit Kiwi-Geschmack. Dann machen wir uns auf in unsere Abendgemächer. Das klingt sehr viel spektakulärer als es ist. Ein trostloses Ambiente begrüßt uns in unserer Hütte. Zwei gegenüberliegende Matratzen im Neonlicht. Scheiß drauf, wir wollen ja eh einfach nur schlafen. Zu viert quetschen wir uns unter ein Moskitonetz. Keine Ahnung warum, wahrscheinlich wollten beide Kids bei mir schlafen und Erk wollte nicht allein auf der Matte gegenüber liegen. Das hatte bisschen aber was von der ersten Nacht in Portugal im Dezember, als wir alle völlig angeschlagen ins Bett gefallen sind. Das kleine Häuschen wollte einfach nicht warm werden. So hatten wir uns gegenseitig gewärmt und ohne uns großartig zu bewegen, 12 Stunden durchgeschlafen haben. Entweder war die Matrtze oder der Boden nicht wirklich gerade. Zumindest hatten wir das Gefühl, dass wir mit dem Kopf tiefer liegen, als mit den Füßen. Als ich so darüber nachdenke, dass es ja gegebenenfalls nicht ganz so geil für Quinns Bauch ist, ruft er auch schon „ich muss kotzen“. Panisch springe ich auf und verfange mich als erstes im Moskitonetz. Fuck, fuck, wo ist die Plastiktüte? Ich glaube ich habe aus Verzweiflung auch gerufen „ das ist alles so scheiße hier“ und suche vergebens in der totalen Dunkelheit in allen Taschen und den Rand der Matratze ab. Ich bin mir sicher, ich hab die Tüte doch an einen extra guten Platz gelegt. Erk hält den ersten Schwall- Ok, das ist zum Glück übertrieben, die erste Spucke – Quinns Magen ist zum Glück komplett leer – mit seinen Händen auf. Völlig verzweifelt suche ich nach irgendetwas, mit dem wir die Kotze auffangen können… Im Lichtkegel meiner Taschenlampe von meinem Handy taucht der Obstteller auf. In purer Verzweiflung ziehe ich noch die Folie ab und denke „dann wird die Kotze zumindest auf dem Teller aufgefangen, das Obst isst eh keiner mehr“ und halte Erk den Teller hin. Direkt vor Quinns Gesicht. Erks Gesichtsausdruck ist eine Mischung aus Irritation und Schock. Einen ähnlichen Blick habe ich schon mal gesehen, als ich vor Jahren auf dem Weg zum Flughafen auf dem Beifahrersitz eingeschlafen bin und aus meinem Traum heraus aufgeschreckt bin und Erks ins Lenkrad gegriffen hab, weil ich geträumt hab, dass er in die Leitplanken fährt. So ähnlich hat er mich da angeschaut. Mit dem Unterschied, dass ich dann einfach weitergeschlafen hab, weil ich dachte, dass es zu kompliziert ist zu erklären, und ich zu müde war. Krasse Aktion damals. Aber egal, auf jeden Fall blicke ich in fragende Augen und wir beide starren auf den Obstteller. Erk reißt dann in letzter Sekunde einfach alles Obst vom Teller bevor Quinn erneut Galle spuckt. Wir lachen uns sowas von kaputt. Die Situation ist eh schon so skurril. Aber das hat es noch getoppt. Erk fragt noch „sag mal, was war das für ne Aktion? Hast du geglaubt Quinn hätte vielleicht Lust auf ein paar Trauben?“ Ich versuche zu erklären, dass ich ihn dem Moment dachte, es könnte da gut zwischen das Obst fließen, damit es nicht direkt vom flachen Teller rutscht. Konnte aber vor Lachen kaum sprechen. Für die weiteren Spei-Aktionen waren wir dann aber mit einer griffbereiten Türe unterm Kissen vorbereitet und den Obstteller haben wir diskret vor die Tür gestellt. 🙂 ich musste immer wieder aus dem Nichts über die Obstteller Aktion lachen, auch noch Tage später. Das sind einfach die schönsten Geschichten, die gar nichts damit zu tun haben, wo man gerade ist, aber gleichzeitig oft nur in Situationen passieren, in denen eh schon alles so anders und neu ist. Geschlafen haben wir Drei leider kaum. Charlotte hat trotz allem wie ein Stein gepennt. Sie hat wirklich die Gabe, dass sie weder auf Geräusche noch auf Licht reagiert. Oder kotzenden Brüder oder lachenden Eltern. Wenn sie schläft, kann sie so leicht nichts aufwecken. Wir ziehen sie zu Hause manchmal schlafend komplett an. Nur zum Zähneputzen müssen wir sie dann aufwecken, bevor es zur Schule geht.
Als morgens eine Stimme ein paar mal ruft „hello, hello, it‘s 6:30“ denke ich noch, dass ich das vielleicht träume. Denn wir sollten ja um 6:20 draussen sein für Sonnenaufgang und Kamel und für whatever. Also hatte ich den Wecker auf 6:00 gestellt. Ich werde wach und rufe,“ scheiße, wir haben verschlafen.“ Erk meint dann trocken „nein, ich habe den Wecker ausgestellt. Ich hab uns somit für den Programmpunkt abgemeldet.“ Wir waren alle eh nicht wirklich bereit nach der kurzen Nacht auf ne Düne zu klettern, um im Nebel eine aufgehende Sonne zu suchen. Ich hatte aber Bedenken, dass wir dann das zweite Kamelreiten verpassen. Erk meinte, man kann das auch noch nach dem Frühstück machen. Leider nicht. Mit einer weinenden Charlotte kam er zurück ins Zelt. Die Kamele gehen wohl morgens dann bei Sonnenaufgang auf ihre „Weide“. Wann sollte man denn dann bitte reiten? Im dunkeln? Wahrscheinlich dann auch nur nochmal 5 Meter rauf und runter. Wir haben Charlotte dann versprochen, dass wir noch einige Gelegenheiten haben werden Kamele oder andere Tiere zu reiten. Ich war persönlich einfach nur froh, dass wir endlich wieder aus der Wüste raus fahren. Mit arabischer Rapp-Musik auf volle Pulle, fahren wir zum Glück auf fester Strasse Richtung Atlantis, wo wir unserer Koffer unterstellen durften.
„War sehr schön. Mach ich nie wieder.“ Ist mittlerweile ein etablierter Spruch in meiner Family. Den hat glaube ich meinte Großtante mal gesagt, und seit dem, sagt immer mal jemand den Spruch. Ich hab ihn auf jeden Fall schon extrem oft gesagt. Er fasst es so schön zusammen. Man ist dankbar für das Erlebnis, aber damit reicht es dann auch. Gleichzeitig drückt es auch aus, dass es schön war. Oder zumindest, dass man froh ist, dass man es erlebt hat. Man muss somit also nicht das Erlebnis an sich schlecht machen, man kann es genau so stehen lassen. Mit den guten und schlechten Aspekten. So wars für mich auf jeden Fall in der Wüste. Ich bin einfach ein Meerestier und die Wüste ist vielleicht so gar nicht mein habitat 🙂











