Rückblick: Leaving

Originaldatum 2.12.2012

Abfahrt 02:20 Münster Richtung Frankfurt

Keine Ahnung ob es der mangelnde Schlaf, das Dritte Glas Wein gestern oder der Fakt, dass ich für 3 Monate alles hinter mir lasse ist, aber mein Bauch fühlt sich verdammt komisch an. Es ist aber eine interessante Mischung aus Aufregung, Angst und Vorfreude: Das Abenteuer wartet.

Wenn man eine Weltreise vor sich hat ist das anders als wenn man “normalen” Urlaub macht. Bei 8 Ländern man man sich einfach nicht darauf einstellen. Welches Land, welche Kultur, welche Eindrücke auf die man sich freut. Auf alle, aber man es gefühlsmäßig nicht greifen.

Ich freue mich unheimlich, aber starre noch ungläubig auf meinen gepackten Backpack- das ist alles was ich 3 Monate haben werde? Das Wort “Outfit” ist somit weit übertrieben, denn die nächsten Kleider-Kombinationen werden einfach nur zweckmäßig sein, aber gerade der Gedanke nicht wie sonst fast jeden Morgen vor dem Schrank zu stehen und zu denken man habe nichts anzuziehen, sondern, dass das der wahre Zustand sein wird ist, hat etwas sehr Befreiendes. Ich ziehe mir meine Jogginghose und Lieblings-Hoodie an und schlüpfe in die Turnschuh. Ein kurzer Blick in den Spiegel: So bequem bin selbst ich noch nicht geflogen, und ich reise echt meistens sehr casual, aber wenn jedes Teil in seinem Rucksack gut überlegt ist bleibt einem nichts anderes übrig als sehr pragmatisch zu denken. Mein Magen hüpft als mein Freund den Rucksack hochhebt und ich ihn aufsetze. Mein Handgepäck wird mit zwei Karabinerhaken vorne als Gegengewicht verstaut. Los gehts! Der kalte Wind peitscht mir ins Gesicht als wir in Richtung Auto laufen. Uns kommen ein paar Jugendliche entgegen, die die nächste Party suchen während wir mit kleinen Augen und großen Kaffeebechern in der Hand ins Auto einsteigen.

Nicole öffnet mir im schicken Sportdress die Tür- wir beide könnten so auch direkt zum nächsten Zumba Kurs gehen. Nach der Verabschiedung von ihrem Freund geht die Fahrt los. Ziel: Frankfurt Airport. Das Navi schlägt die Sauerland-Linie vor. Mh…bei dem kalten Wetter ist das vielleicht schlecht wegen plötzlichem Schneefall? Und kaum haben wir den Gedanken verjagen wollen fängt es kurz nach Dortmund an mit Schneeregen….der später dann zu dicken Flocken wird. Spätestens jetzt ist klar: It’s time to go!

Wir kommen pünktlich um 5:30 in Frankfurt an. Traurige Verabschiedung von meinem Freund Erk dann zum Check-in.

Der Iberia Flug nach Madrid: Der Flieger ist super leer und so schnappen wir uns eine Dreier-Reihe. Ich habe die Angewohnheit sofort todmüde zu werden wenn ich ins Flugzeug steige und schlafe daher direkt ein. Als ich nach einer Stunde wach werde frage ich mich ob ich den Start verpasst habe- wäre ja auch nichts neues- aber leider sind wir nur auf dem Rollfeld hin und her gefahren. Jetzt soll der Flieger enteist werden. Eigentlich könnten wir uns jetzt Sorgen machen, dass wir unseren Anschlussflug verpassen, aber das Positive auf einer Weltreise ist, dass man unendlich viel Zeit hat. Wenn wir nicht heute weiter fliegen, dann eben morgen, oder übermorgen. Wir haben keine Verpflichtungen, keinen Plan. Zum ersten Mal seit Tagen setzt eine tiefe Entspannung ein. Ich sitze in einem Flieger der gerade enteist wird und ich bin total relaxt. Alles was ab jetzt passiert, passiert!

 

Diese Haltung kommt mir zu Gute als wir mehrfach aufgerufen werden in Madrid für den Flug nach San Jose, obwohl wir ohne auch nur einmal anzuhalten direkt zum Gate gelaufen sind. Ok eine kurze Pause haben wir auf der Damentoilette gemacht, auf der ich erst mir und dann Nicole die Thrombose Spritze in den Speck 6-Pack gerammt habe. 8ten auf den Einstich malend stehen wir dann total entspannt im Gang zum Flieger. Wofür die Panik, wenn dann doch alle noch ewig im kalten Bus warten müssen? Der Flieger ist wie erwartet ungefähr das un-modernste was ich seit langem erlebt habe. Kein Entertainment-System, TV Screens mit einer Auflösung eines PCs aus den 80ern, und über Beinfreiheit brauchen wir erst gar nicht zu sprechen. Wir sind aber nicht wirklich geschockt, sondern nehmen ohne zu Murren unsere Plätze, die auch noch in der Mitte sind, mit einer Gelassenheit ein und machen es uns gemütlich. Hey, wir machen schließlich keine Luxusreise hier. We better get used to it right away.

So sitzen wir hier und sehen seit 4 Stunden ein kleines Flugzeug und die Routendetails auf Dauerschleife. Unser vegetarisches Essen ist trockener Reis, der wahrscheinlich zusammen mit dem Kochbeutel verarbeitet worden ist, denn der Plastikgeschmack war bestimmt kein magic ingredient. Als Nachtisch kriegen Vegetarier auch keinen Schokopudding wie alle anderen an Board, sondern nur Obst. Brot gibt es auch nur auf Nachfrage, aber das ist definitiv schon 3 mal die Strecke Madrid-San Jose geflogen: Steinhart!

Es muss entweder ein generelles Unverständnis gegenüber Vegetariern auf einer spanischen Airlines geben, oder wir haben aus Versehen auch “low fat” angegeben. Auch unser Abendessen ist komplett anders. Wir bekommen weder Joghurt, noch Kitkat oder ein alternative belegtes Baguette, sondern nur einen Salat und Obst. Vielleicht denkt man hier auch Vegetarier und Veganer ist das Gleiche? Richtig neidisch sind wir aber auch nur auf das Kitkat, der Rest sieht eh nicht essbar aus. Das Personal hat auch einen eher fragwürdigen Charme und nichts von der Thai-Freundlichkeit bei Thai-Airways, die uns noch so gut vom letzten Flug in Erinnerung geblieben ist. Wir stellen jetzt schon fest: Iberia ist wohl die schlechteste Airline ever!

Das kleine Flugzeug ist jetzt mitten im Atlantischen Ozean. Nicole schläft. Die Musik klingt durch meine Noise-Cancelling Headphones und der ganze Fluglärm ist weit weg. Wir sind unterwegs- jetzt kann ich es endlich glauben: Wir fliegen um Die Welt!

 

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